Zum 30. Mal fanden am vergangenen Wochenende vor 45.000 Zuschauern die NitrOlympX, Europas größte Drag Racing Veranstaltung, auf dem Hockenheimring statt. Bereits im Vorfeld versprachen der sehr gute Ticketvorverkauf und die Qualität der gemeldeten Rennklassen eine aufregende Jubiläumsveranstaltung. Vom 7. bis 9. August 2015 traten rund 300 nationale und internationale Teams in acht Pro-Klassen, im Kampf um die FIA- bzw. FIM- Europameisterschaftskrone, und acht stark besetzte Sportsman-Klassen auf der Hockenheimer Viertelmeile an.

Die wochenlangen Streckenvorbereitungen vor dem Event hatten sich gelohnt, denn trotz der extrem hohen Temperaturen – im Motodrom wurde die 40°C-Marke zeitweise überschritten – hielt die Quartermile den enormen Belastungen stand. So konnten die voll besetzten Sportsman-Felder bereits am ersten Veranstaltungstag ungehindert alles zeigen, was ihnen an Leistung zur Verfügung stand. In der Klasse Pro ET kämpften über 50 Qualifikanten um 32 Startplätze. Fehler konnte sich hier keiner leisten.

Am frühen Freitagnachmittag dann die Feuertaufe: Die FIA Pro-Klassen rollten an, um die Strecke auf Grip und Belastbarkeit zu testen. Und die Generalprobe gelang: Die Top Fuel Dragster ließen die Tribünen erzittern als sie unter Volllast in Richtung Ziellinie schossen. Dieses „erste Herantasten“ wurde zum endgültigen Beweis für den hervorragenden Zustand der Strecke. „Side by side“ erzielten der Finne Jari Halinen und der Däne Stig Neergaard eine Zeit von 4.39 Sekunden.

Ein ganz besonderes Highlight waren die sogenannten „Supercharged Outlaws“, eine spektakuläre Klasse, die in Hockenheim in sehr internationaler Besetzung antrat. Hier fanden sich die unterschiedlichsten Fahrzeug-Typen und Konstruktionen, aber eines hatten alle Supercharged Outlaws gemeinsam: Kompressormotoren ohne Limits, lange Burnouts und richtig viel Ehrgeiz. Auch wenn die Klasse als reines Showprogramm im Zeitplan stand, gab hier jeder 100 Prozent.

Aus sportlicher Sicht gesehen, dürfte der Veranstaltungssamstag wahrscheinlich einer der besten Renntage in der Geschichte der NitrOlympX gewesen sein. Die vollen Felder in allen Klassen konnten ihre angesetzten Qualifikationsläufe ohne große Unterbrechungen durchziehen. In einigen Sportsman-Klassen musste auf der Strecke hart gekämpft werden, da es mehr gemeldete Teilnehmer als Startplätze gab. Vor voll besetztem Haus wurde deutlich, dass es hier nicht um Zehntelsekunden ging, sondern um Hundertstel und Tausendstel. Es entschied also oftmals weniger als ein Wimpernschlag, wer am Sonntag um die Pokale fuhr, und wer die Heimreise antreten musste.

Doch nicht nur die Sportsman-Klassen zeichneten sich durch enge Felder und Dramatik aus. Selbst bei den Top Fuel Dragstern war das Feld leistungsmäßig so ausgeglichen wie noch nie: Micke Kågered 4.227, Stig Neergaard 4.253, Liam Jones 4.256, Anita Mäkelä 4.258, Duncan Micallef 4.291. Gerade mal sieben Hundertstelsekunden trennten die ersten Fünf am Ende des Tages. Publikumsliebling Urs Erbacher startete von Platz 7. Das konnte den Schweizer aber nicht aus der Ruhe bringen, denn Erbacher ist jederzeit in der Lage, die berühmte „Schippe“ obendrauf zu packen. Das tat er dann auch am Abend bei der Nightshow: Neben Anita Mäkelä raste er in 4.1 Sekunden die Quartermile
hinunter.

Die mittlerweile zum Kult gewordene Saturday Nightshow war zum Jubiläum noch eine Spur lauter und heißer. Auf den ausverkauften Tribünen rasteten die Fans aus während vor ihnen gleich sieben verschiedene Jet Dragster bis zu 30 Meter lange Flammen über den Asphalt bliesen. Neben der spektakulären Helikopter-Flugshow von Red-Bull-Pilot Rainer Wilke wurde den Zuschauern 120 Minuten explosives Programm mit Nitro, Feuerwerk, Stunts, Burnout und Partystimmung geboten. Nach der Show zog das Publikum  weiter in die erstmals eingerichtete NitrOtainment-Area auf dem Boxendach. Hier wurde mit Live-Musik, coolen Coyote-Ugly-Girls und Drinks weitergefeiert.

Die etwas kühleren Temperaturen am Rennsonntag, vor allem am frühen Morgen, wirkten sich unmittelbar auf die gefahrenen Zeiten aus. Viele Klassen schafften es, bis zu zwei Zehntel – im Drag Racing eine halbe Ewigkeit – schneller zu werden. Für die Besucher bedeutete das noch knappere Entscheidungen, noch härtere Duelle. So gab es schnell getaktete Rennaction auf den beiden Bahnen des Drag Strips: Zwei Runden Sportsmann Racing, zwischendurch FIA Pro Modified und FIM Bikes sorgten für einen spannenden
und vor allem extrem kurzweiligen Vormittag.

Als dann die Top Fueler pünktlich zum High Noon in den Startbereich rollten, erlebte man das andere Extrem im Drag Racing, nämlich eine gnadenlose Materialschlacht. In jedem Lauf wurden Motoren geopfert. Es zählte nach der extrem engen Qualifikation am Renntag jede Pferdestärke, die die Tuner aus den 8000 PS Motoren holen konnten. Entsprechend gingen einige Teams über die Grenzen ihres Materials hinaus. Feuer und Flammen, auch außerhalb des Showprogramms, waren die Folge.

Wie im Vorjahr holte sich Mikael Kågered (SWE) in 4.178 Sekunden den Sieg in der Königsklasse vor dem Schweizer Urs Erbacher (4.508), dem der Kompressorriemen gerissen war. Kågered baut damit seine Gesamtführung in der Europameisterschaft um ganze 66 Punkte vor Anita Mäkelä aus, die sich in Hockenheim mit Platz 6 zufrieden geben musste.

Insgesamt war es ein großartiger Tag in Sachen Motorsport. Entscheidungen fielen im Sekundentakt und oft lagen nur Tausendstel zwischen Sieg oder Niederlage. Viele Teams hatten auch nach einem verlorenen Lauf allen Grund zum Jubeln, denn ihr Einsatz wurde an diesem Wochenende häufig mit persönlichen Bestzeiten belohnt.

Unter www.nitrolympx.de gibt es die Möglichkeit, sich die komplette Action von Samstag und Sonntag inklusive Nightshow auch im Nachhinein online anzusehen. Die gelungene 30. Ausgabe der NitrOlympX hat ein deutliches Zeichen gesetzt. Schon jetzt sollte sich jeder Drag Race Fan für nächstes Jahr ein dickes Kreuz in den Kalender machen.  NitrOlympX 2016 – bring it on! The biggest and greatest Drag Race in Europe.

Weitere Informationen und alle Ergebnisse unter: www.nitrolympx.de

Bilder:
Bild 1: Top Fuel Dragster, Mikael Kågered
Bild 2: Pro Modified, Mats Eriksson (Titelbild)
Bild 3: Nightshow