Eugen Böhringer und Klaus Kaiser siegen vor Dieter Glemser/Martin Braungart und Ewy Rosqvist/Eva-Maria Falk

Mercedes-Benz dominiert vor 50 Jahren den 8. Großen Straßenpreis von Argentinien für Tourenwagen („VIII Gran Premio Internacional de Turismo Super Nafta YPF“) mit einer weiteren Glanzleistung: „Heckflossen“-Limousinen des Typs 300 SE (W 112) belegen bei dem Rennen (28. Oktober bis 7. November 1964) die ersten drei Plätze des Gesamtklassements. Es ist der vierte Sieg für die Stuttgarter Marke in Folge bei diesem prestigeträchtigen Langstreckenwettbewerb, der seinerzeit als anspruchsvollstes Straßenrennen der Welt gilt: 1961 gewinnen Walter Schock/Manfred Schiek, 1962 erzielt das Damenteam Ewy Rosqvist/Ursula Wirth einen spektakulären Sieg, und 1963 fahren Eugen Böhringer/Klaus Kaiser auf den 1. Platz  – ein Erfolg, den sie 1964 wiederholen.

Als strahlender Sieger kommt Eugen Böhringer am 7. November 1964 ins Ziel des Großen Straßenpreises von Argentinien für Tourenwagen. Zum zweiten Mal in Folge hat der Mercedes-Benz Rallyefahrer mit seinem Kopiloten Klaus Kaiser dieses weltweit anspruchsvollste Langstreckenrennen seiner Zeit gewonnen. Böhringer führt nach sechs Etappen mit zusammen 4.779 Kilometer Länge einen Dreifachsieg der Oberklasse-Limousinen Mercedes-Benz 300 SE (W 112) an. Insgesamt ist es für Mercedes-Benz sogar der vierte Sieg in Folge bei diesem Rennen, das im Original „Gran Premio Internacional de Turismo Super Nafta YPF“ heißt.

Große Erwartungen und eine starke Konkurrenz begleiten den Start am 28. Oktober 1964: Wird die deutsche Marke  – wie in den drei Jahren zuvor  – mit ihren starken „Heckflossen“-Limousinen auch diesmal den Sieg auf der als „Strecke der tausend Kurven“ umschriebenen Route erringen?

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Die Erfolgsgeschichte beginnt 1961 mit dem Sieg von Walter Schock und Manfred Schiek auf Mercedes-Benz 220 SE. Mit einem Fahrzeug dieses Typs siegt im folgenden Jahr auch das Damenteam von Ewy Rosqvist und Ursula Wirth. 1963 schließlich fahren Eugen Böhringer und Klaus Kaiser mit einem 300 SE auf Platz 1 durchs Ziel und führen dabei sogar einen Vierfachsieg der „Heckflossen“ an.

Ende Oktober 1964 gehen nun vier seriennahe Mercedes-Benz 300 SE in Buenos Aires an den Start. Die Modifikationen der im Rennen eingesetzten Automobile umfassen lediglich Maßnahmen wie den Einbau größerer Tanks sowie Veränderungen der Motorcharakteristik und der Getriebe- oder Achsübersetzungen. Der 300 SE ist ein bewährtes Wettbewerbsfahrzeug: Allein in der Saison 1964 gewinnt Eugen Böhringer mit diesem Typ das Internationale ADAC Sechs-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und den Großen Tourenwagenpreis von Macao/Hongkong.

Zum Großen Straßenpreis von Argentinien starten insgesamt vier Fahrzeuge, die allesamt hellblau lackiert und mit einem weißen Tropendach versehen sind: Dieter Glemser und Martin Braungart haben die Startnummer 605, der Wagen von Hans Herrmann und Manfred Schiek trägt die 607, Ewy Baronin von Korff-Rosqvist und Eva-Maria Falk starten mit Nummer 609, und Eugen Böhringer sowie Klaus Kaiser  – die späteren Sieger  – fahren im Auto mit der Nummer 617.

Insgesamt treten 268 Fahrzeuge zu dieser achten Auflage des Großen Straßenpreises an, der in sechs Etappen ausgetragen wird. Zwischen zwei Renntagen wird dabei jeweils ein Tag Pause gemacht. Bereits nach der ersten, 781,5 Kilometer langen Etappe liegen alle vier Mercedes-Benz Fahrzeuge an der Spitze der Wertung, und Eugen Böhringer hat mit einem Durchschnittstempo von 181 km/h einen neuen Rekord aufgestellt. Zugleich sind bereits 91 andere Fahrzeuge durch Unfälle oder technische Defekte ausgeschieden.

Der Start zur zweiten, 731,9 Kilometer langen Etappe wird zum Festspiel der Mercedes-Benz Rallye-Fahrzeuge. Auch durchs Ziel jagen die Stuttgarter „Heckflossen“ dicht an dicht. Über die Etappen drei (729,4 Kilometer), vier (630  Kilometer), fünf (mit 961,1 Kilometer die längste Teilstrecke des Rennens) und sechs (945 Kilometer bis ins Ziel) führt die Route des Großen Straßenpreises zunächst nach Westen und Norden, dann zurück durch den Osten des Landes wieder nach Buenos Aires.
Mit einem Streckendurchschnitt von 138 km/h gewinnen Eugen Böhringer und Klaus Kaiser das Rennen. Hinter ihnen liegen steile Gebirgspässe, enge Kurven und endlos erscheinende Geröllpisten. Die Rallye-Wagen ziehen auf vielen der Naturstraßen lange Staubfahnen hinter sich her.

Während der Wagen von Hans Herrmann und Manfred Schiek in der sechsten Etappe ausscheidet, fahren die drei anderen Mercedes-Benz 300 SE den letzten großen Sieg der Marke in dieser Ära des Motorssports ein. Der Große Straßenpreis von Argentinien 1964 steht mit am Ende jener glänzenden Epoche, in der werksseitig eingesetzte „Heckflossen“-Limousinen bei Rallyes und Langstreckenrennen für Tourenwagen zahlreiche Siege erringen. Begleitet von Rennleiter Karl Kling und dem argentinischen Mercedes-Benz Champion Juan Manuel Fangio zeigen die Fahrzeuge mit der charakterisischen Silhouette im Herbst vor 50 Jahren noch einmal, welche Spitzenleistung sie ihren Fahrern ermöglichen.

Die Fahrzeuge von Mercedes-Benz beim Großen Straßenpreis von Argentinien für Tourenwagen 1964

Mercedes-Benz 300 SE Rallye-Fahrzeug (W 112, 1963)

Der Mercedes-Benz 300 SE dominiert als Rallye-Fahrzeug und Renntourenwagen in den Jahren 1963 und 1964 die Szene der Langstreckenwettbewerbe von Argentinien bis nach Europa. Wie alle anderen bei Rallyes eingesetzten Mercedes-Benz Automobile der Epoche sind die großen „Heckflossen“-Limousinen stark an die jeweiligen Serienfahrzeuge angelehnt. Diese Tatsache hebt die damalige Daimler-Benz AG auch als Verkaufsargument für die Serientypen heraus. Allerdings erfahren die Limousinen je nach Einsatz Modifizierungen: Dazu gehören die Verstärkung von Fahrgestellelementen, die Vergrößerung des Treibstofftanks und die Änderung der Motorcharakteristik, beispielsweise durch eine andere Einspritzanlage oder die Herabsetzung des Verdichtungsverhältnisses; Auch die Getriebe- oder Achsübersetzungen werden variiert.

Technische Daten Mercedes-Benz 300  SE Rallye-Fahrzeug (W  112)
Einsatz: 1963-1964
Zylinder: 6/Reihe
Hubraum: 2.996 Kubikzentimeter
Leistung: 154 kW (210 PS)
Höchstgeschwindigkeit: über 200 km/h

Wussten Sie schon? Wenn Sie die „Renn-Heckflosse“ Mercedes-Benz 220 SE einmal live erleben möchten, haben Sie dazu bei der 10. Westfalen-Trophy (17. bis 19. Oktober) auf dem Nürburgring die Gelegenheit.