Ein Einblick: Die Autos im Historic Rallye Cup
Freitag, 30. September 2011 11:13
Wenn Rallyeautos der 60er, 70er und 80er Jahre über die Wertungsprüfungen nationaler Rallyes röhren, sind es oft die Teilnehmer des Historic Rallye Cups, die auf Gleichmäßigkeit fahrend Rallye-Historie wieder lebendig machen. Die Protagonisten vergangener Jahre: Buckel-Volvo, Mercedes Heckflosse, Alpine-Renault A110, Porsche 911, B-Kadett, BMW 2002 usw, usf.. Auch in diesem Jahr sind wieder einige besondere Raritäten dabei. Hier sind exemplarisch drei davon:
Mit Lederriemen aus der Pfalz
Bis in die 60er Jahre war es bei Rallyewagen üblich, die Hauben mit Lederriemen zu sichern. Dann kamen die „Gummiknochen“, dann die Sicherungsstifte mit Splint. Am schwedischen SAAB 96 ging diese Entwicklung konsequent vorbei. Der Lederriemen quer über die Fronthaube wurde zum zeitübergreifenden Stilmittel aller Rallye-Saab seit den 50er Jahren. Bis 1966 fuhren die Stromlinien-Geräte noch mit 2-Takt-Motoren. Dann wurde ein V4-Motor aus dem Ford-Regal (vom 15M) implantiert und durch die Saab-Rallye-Abteilung stückweise immer weiter aufgerüstet. 1971 erreichte der SAAB-96-V4-RALLYE immerhin 155 PS – und Platz 2 in der Marken-WM. Den antiquierten Lederriemen hatte er noch immer. Peter Diller / Walter Münch bringen den in Deutschland seltenen Nachbau aus Kaiserslautern im HRC an den Start.
2-Takt-Sound im Rallyesport
Die AWE-Werke in Eisenach bauten ab 1966 das Modell 353 und traten mit Werksteams international im Rallyesport an. Eine Legende im Osten. Aber in den „Alt-Ländern“ hatten Rallyefans kaum einmal die Gelegenheit, den 2-Takt-Sound des Dreizylinders zu erleben, wenn er sich in ungeahnte Drehzahlen hochjubelt. Die Eisenacher Sven Ohlmeyer / Ralf Messer haben in penibler Kleinarbeit einen Wartburg 353W im Original-Outfit der damaligen Werkswagen nachgebaut und sich damit einen Jugendtraum erfüllt. Nach der Premiere Anfang August (Wartburg-Rallye) stand schnell der Entschluss fest: “Wir starten weiterhin im HRC!”.
Monte-Dickschiff aus Holland
Der „normale“ Oldtimer-Fan rollt in solchen Fällen verzweifelt mit den Augen und verspürt den Schmerz selbst körperlich. Gemeint ist die Tatsache, dass Johan Löwik bei der Main-Kinzig-Rallye im Juli auf regennasser Wertungsprüfung eines der seltensten Geräte der historischen Rallye-Truppe unsanft an der Leitplanke anlehnte. 1965 präsentierten die britischen Rover-Werke ihr neues Modell P6 bei der Rallye Monte Carlo. Eigentlich war er zu groß, zu schwer und mit dem 2000er Motor auch nicht besonders üppig motorisiert. Dennoch gelang ein Klassensieg. Gleichzeitig war dies allerdings auch der letzte Rover-Werkseinsatz für viele Jahre. Für Rover-Fans ist der 1965er genau deshalb natürlich eine besondere Ikone. Johan Löwik und seine Freunde haben den „weißen Riesen“ fast detailgetreu nachgebaut. Und die im Juli verformten Kotflügel sind inzwischen natürlich auch erneuert. In England gibt es noch Teile für einen Wagen, den man in Deutschland kaum kennt.
Finale: 09.10. Rallye Bad Emstal (Nordhessen, 9. Lauf HRC)
Alle Tabellen, Termine, Reglement: www.historic-rallye-cup.de
Quelle: Rolf Blaschke
Thema: History | Kommentare (0) | Autor: Max Möllermann







