Mit der Überschrift „Hyundai drückt den Turbo-Knopf“ war das Schreiben betitelt, das uns zu einem Event nach Mainz einlud, um die neue Motorengeneration im aktuell zweitkleinsten Modell des koreanischen Herstellers, dem i20 zu testen.

Ah ja… 1,0 Liter, 3-Zylinder… Na, super.

Da haben die wohl nicht bemerkt, dass es auf Motor-Mania.org gar keine Rubrik für Veröffentlichungen über Sparwunder, langweilige Vernunftautos, bessere Einkaufswagen oder kleine Flitzer mit Blümchendekor für bessergestellte Abiturientinnen gibt?!

Wir ließen uns dennoch locken vom angekündigten Motorenworkshop im nahelegenem Hyundai R&D-Center (R&D = Research & Development = Forschung & Entwicklung) und der Tatsache, dass Hyundai mit seinem WRC- und VLN-Engangement auch Performancewillen zeigt. Zudem kann man seit der Designüberarbeitung der Modellpalette Hyundai als nicht ganz uncoole Autos bezeichnen.

Unter der Prämisse, unsere Leser sicher nicht mit Kofferraumvolumenangaben in Litern und endlosen Auflistungen der Ausstattungsfeatures zu langweilen, ging es also Richtung Rheinhessen, um von den versprochenen Testmöglichkeiten gebrauch zu machen.

Bei bestem Wetter reihten sich die schicken Flitzer vor dem Eventcenter Pyramide Mainz auf.

Nach kurzem Check-In und Einweisung in das von uns gewählte i20 Coupé mit Glasdach und immerhin 120 PS brummten wir mit für einen Dreizylinder erstaunlichen kernigem Sound vom Parkplatz. Auf den ersten Kilometern der Testroute hatten wir auf der Autobahn die Gelegenheit, uns mal mit dem Interieur auseinanderzusetzen: Das Raumgefühl ist für die Kompaktklasse sehr großzügig und grenzt eher an die Mittelklasse. Die Oberflächen sind pflegeleicht, aber wertig gehalten und entsprechen eher einem höherem Preisniveau, ebenso wie die Verarbeitung. Die Sitze könnten etwas mehr Seitenhalt vertragen, aber sonst gibt’s wirklich nichts zu meckern. Auch Langstrecke könnten wir uns mit dem lifestyligem Flitzer vorstellen.

Alte Sportfahrer-Weisheit: Nach der Autobahn folgt bald kurvige Landstraße.

Und da zeigte uns das i20 Coupé sein wahres, sportlich-straffes Gesicht. Nach etwas Rühren im knackig zu schaltendem 6-Gang-Getriebe(!) ging es wirklich flott voran. Sattes Drehmoment (172 Nm), erfreuliche Direktheit und satter Fahrspaß. Ab da hatte das Coupé mit seinem erwachsen gewordenem Turbo-Motörchen unser Herz erobert. Wo bitte geht es zum Wochenendtrip in die Berge? Platz, Fahrdynamik, Stylefaktor ist ja alles da.

Viel zu schnell waren wir wieder am Ausgangspunkt der Testrunde angekommen.

Das gab uns die Gelegenheit, auch den i20 Active noch zu fahren. Diesmal ging es zum Vergleich mit 90 PS auf die Bahn. Der im Urban-Outdoor-Crossover-Dingens gestylte Bruder des Coupés und des Fünftürers bekommt von Hyundai einige robust wirkende Stylingelemente angebaut. Natürlich würde niemand von dieser sehr beliebten Fahrzeugkategorie echte Offroad-Qualitäten verlangen, Lust auf ein Picknick im Grünen oder eine Runde über den Strand von St. Peter-Ording macht er aber mit seinem 20 mm höherem Fahrwerk und dem Abenteuer-Look auf alle Fälle. Der Innenraum ist mit den anderen i20-Modellen identisch. Der Diesel ist etwas brummiger, fährt sich aber auch sehr gut und könnte glatt ein treuer Begleiter im Alltag für uns sein.

Was generell gefällt, ist die Ausstattungspolitk.

Schon in der Basisaustattung ist im i20 schon alles elementare und heutzutage wichtige zu finden. Ab der mittleren Ausstattung gibt´s schon coole Gadgets wie das beheizbare Lederkenkrand, LED-Tagfahrlicht, Spurhaltewarnsystem, Tempomat, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und einen 1GB Musikspeicher. Oh, erwischt! Jetzt wurden doch Ausstattungsfeatures aufgelistet. Die i20 sind modern und üppig ausgestattet und der Online-Konfigurator hat erfreulich wenige Variablen, die den Einstiegspreis großartig in die Höhe treiben.

Ein Blick hinter die Kulissen.

Unseren Tag abgerundet hat der Besuch im Entwicklungszentrum für die europäischen Motoren in Rüsselsheim. Neben einer Führung durch die Räumlichkeiten mit Motorenprüfstanden, Rollenprüfstanden und Klimakammern, standen die Entwickler und Ingenieure für Fragen zur Verfügung. Dr. Michael Winkler, Leiter der Antriebsstrangentwicklung, gab noch tiefere Einblicke in das Konzept des Kappa-Motors, also des 1,0 Liter-Turbinchens. Wer genau hinsah, erkannte eventuell ein leicht verschmitztes Grinsen als es um den erhöhten Fahrspaß mit dem neuen Motor ging.

Ach ja, da war ja noch was. Das Fazit.

Vielleicht wird es langsam auch für die Gusseisernen unter uns Zeit für ein Umdenken. Auch wir können uns eingestehen, dass es Fahrspaß jenseits des Weber-Doppelvergasers, hochdrehenden BMW 6-Zylindern oder modernen High-Performance-Autos wie dem 911 gibt. Irgendwie soll ja auch die Umwelt geschont werden und mehr Benzin für lauthals brüllende BDA-Escorts übrig bleiben. Und wenn die „Car Guys“ einer jungen, frischen Marke wie Hyundai es schaffen uns alltagstaugliche Spaßmobile zu konstruieren, sollten wir ruhig mal einen Test wagen. Es sind schließlich auch „Car Guys“ wie wir.