Modellwechsel in der Sonderausstellung des Horex-Museums Bad Homburg: Die Horex-Rennmaschinen und ihre Erfolge in der Nachkriegszeit sind in den nächsten Monaten das zentrale Thema. Den Kuratoren ist es gelungen, dafür die Unterstützung eines profunden Horex-Kenners zu gewinnen: Reinhard Jutzi. Dessen private Sammlung genießt in Fachkreisen einen legendären Ruf, wurde aber noch nicht häufig öffentlich ausgestellt. Neun Maschinen stellt allein er – neben anderen Leihgebern – für die neue Schau zur Verfügung.

Reinhard Jutzi begann seine Rennfahrerkarriere als Ausweisfahrer auf einer Renn-Imperator und blieb der Marke Horex treu. In den 1960er Jahren nahm er erfolgreich an Motorradrennen teil und siegte unter anderem auf der Berliner „Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße“, kurz AVUS genannt. Er bestritt unter anderem Feldbergrennen sowie Rennen auf dem Nürburg- und dem Hockenheimring. Aber der heute 75 Jahre alte gelernte Werkzeugmeister betätigte sich auch als Konstrukteur. Unter anderem baute er 1964/65 zusammen mit Friedel Münch eine RS 500 auf (Startnummer 46). Während Münch den Imperator-Motor konstruierte, entwarf Jutzi das Fahrgestell. Mit der 50 PS starken Maschine gewann er den Juniorenpokal.

Interesse erregten bei Reinhard Jutzi auch Weiterentwicklungen von anderen erfahrenen Konstrukteuren. So zeigt das Museum die legendäre Maschine des bekannten Rennfahrers und Tuners Ernst Hoske aus der Sammlung Jutzi. Zwar hat sich Hoske vorwiegend BMW-Motorrädern verschrieben, entwickelte aber 1952 auch einen Horex-Motor weiter. Die Rohteile erhielt er damals von den Horex-Werken, für die er in jenen Jahren arbeitete. Der Werksleitung war daran gelegen, Hoskes eigene Rennerfahrungen und Ideen in einen Horex-Motor einzubringen. Er entschied sich für einen 2-Zylinder-DOHC-Motor mit Nockenantrieb über die Stirnräder und ein 4-Gang-Hurth-Getriebe (Startnummer 25).

Von Fred Schlachter stammt die Horex RS 350 aus der Jutzi-Sammlung (Startnummer 28). 1954 baute er nur dieses einzige Exemplar mit einem 2-Zylinder-DOHC-Motor mit Kettenantrieb und einem angeblockten 5/6-Gang-Getriebe. Fahrer dieser Maschine war Georg Braun. Neben der originalen Teilverkleidung der Maschine existiert noch eine große Verkleidung. Beide gestaltete Louis L. Lepoix, Baden-Baden, der 1954/55 unter anderem auch eine Verkleidung für die Horex-Regina und insgesamt drei Modelle des von Horex geplanten Kleinstautomobils entwarf.

Auch einen Prototyp kann Reinhard Jutzi sein eigen nennen: eine Imperator, die Horex 1951 auf der IFMA als Solo- und Gespannmaschine vorstellte. Sie ging jedoch nie in Serie.

Kurz bevor Reinhard Jutzi die Anfrage für die Bad Homburger Ausstellung erreichte, baute er sein bislang letztes Motorrad zusammen. Mit der Startnummer 75 stellt er im Museum  eine RS 480 vor. Jahrelang war er auf der Suche nach dem Motor für das Modell von 1954 gewesen, dessen zweiten Motor er schließlich fand und erwarb. Den jahrelangen Recherchen folgte der Aufbau dieser Rennmaschine.

Eine weitere berühmte Rennmaschine der Nachkriegszeit wurde dem Museum von Horex-Fan Schnitzler geliehen. Es ist das einzige vom Horex-Werk nach 1945 gebaute Renngespann. Die 40 PS starke und 200 km/h schnelle Imperator wurde als Grasbahnmotorrad ausgeliefert und auf Drängen von Friedel Münch zum Straßengespann umgebaut. Restauriert wurde es vom Bad Homburger Gespannbauer Helmut Hock.

Rennerfolge galten für die Horex-Werke als Voraussetzung für den Bau erfolgreicher Straßenmaschinen. Die mit ihnen gemachten Erfahrungen konnten in die Produktion der alltagstauglichen Motorräder fließen. Schon im November 1924 hieß es in einer Anzeige Fritz Kleemanns zu seinen und den Rennerfolgen von Philipp Karrer auf einer Horex: „Die sieggewohnte Maschine beendete die Saison mit 21 ersten, 21 zwei und sechs dritten (Platzierungen) – ein Erfolg der hervorragenden Präzisionsarbeit.“ Diesem Selbstverständnis, das auch den langjährigen geschäftlichen Erfolg der Firma begründete, folgte Horex bis in die ausklingenden 1950er Jahre. Als 1955 die große Motorradkrise ausbrach, konnten keine werkseigenen Rennfahrer mehr an den Start geschickt werden. Mit einer speziellen Auszeichnung, dem Horex-As in Bronze, Silber und Gold, versuchte das Unternehmen, private Fahrer zur Teilnahme an Rennen auf Horex-Motorrädern zu motivieren. Bis zuletzt, bis zur Schließung der Bad Homburger Motorradschmiede im Jahr 1960, konnten Rennerfolge verzeichnet werden.

Die Ausstellung „Horex-Rennmaschinen der Nachkriegszeit“ läuft bis 21. August 2016.

Horex Museum Bad Homburg
Horexstraße 6
Bad Homburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch 10 bis 14 Uhr
Samstag und Sonntag 12 bis 18 Uhr oder auf Anfrage unter Tel. 06172-37618.
Eintritt: 2,50 Euro, ermäßigt ein Euro.