East African Safari Classic Rallye, Tag 4, 22. November 2015

Unverhofft kommt oft: Das HS RallyeTeam musste am vierten Tag der East African Safari Classic Rallye seine Flexibilität beweisen. Da Matthias Kahle den Datsun 260Z wegen seiner Handgelenksverletzung heute nicht fahren konnte, drohte eine saftige Zeitstrafe. Doch dann sprang Teamchef Malcolm Destro in die Bresche.

Improvisationstalent gilt im Rallyesport als eine der wichtigsten Tugenden – und die stellte das HS RallyeTeam heute eindrucksvoll unter Beweis. HS Pilot Matthias Kahle fiel für die heutige Etappe komplett aus, nachdem er sich gestern bei einer Flussdurchfahrt das Handgelenk gestaucht hatte. Bei den meisten Rallyes bedeutet so ein Ausfall das vorzeitige Ende, doch auch hier ticken die Uhren bei der East African Safari Classic Rallye etwas anders. Der Wechsel von Fahrer und/oder Beifahrer während der Veranstaltung ist erlaubt.

So kam es, dass beim Start in die vierte Etappe plötzlich Teamchef Malcolm Destro am Steuer des 280 PS starken Datsun 260Z des HS RallyeTeams saß. Der Kenianer hatte die Safari 2013 selbst bestritten und als 14. von 60 Startern das Ziel erreicht. Der Mann aus Nairobi kennt Strecken und Auto also wie aus der Westentasche – und erwies sich als perfekter Ersatz für den siebenfachen Deutschen Rallye-Meister Matthias Kahle.

„Malcolm hat seine Sache super gemacht, obwohl er sich überhaupt nicht auf die Situation einstellen konnte“, erklärt Navigator Dr. Thomas M. Schünemann. „Wir haben erst am Start der Etappe erfahren, dass ein Fahrerwechsel möglich ist. Dann sind wir praktisch sofort eingestiegen und losgefahren. Malcolm hatte ja keinen Helm dabei, zum Glück hat ihm der von Matthias gepasst.“

Statt die Prüfungen auszulassen – was ebenfalls erlaubt ist, aber hohe Zeitstrafen mit sich bringt – und direkt das Etappenziel am Lake Manyara anzusteuern, um dort nach dem Ruhetag wieder ins Geschehen eingreifen zu können, fuhr der Datsun 260Z des HS RallyeTeams also weiter vorne mit. Das neu formierte Duo Destro/Schünemann überstand die drei Prüfungen des Tages ohne Probleme. Nach Platz 24 in der Tageswertung liegt die Mannschaft aus Hamburg zur Halbzeit auf dem 18. Gesamtrang.

„Was für ein Tag“, strahlte Teamchef Malcolm Destro im Ziel. „Das ging alles so schnell heute Früh, dass ich es immer noch nicht glauben kann. Thomas und ich haben uns sehr schnell aneinander gewöhnt, die Chemie im Cockpit stimmte auf jeden Fall.“ Dabei war es für Navigator Schünemann das erste Mal in über 40 Jahren Motorsport, dass er seine Ansagen auf Englisch formulieren musste. „Der Umstieg hat erstaunlich gut funktioniert. Am Anfang habe ich manchmal noch nach dem richtigen Wort gesucht, aber das hat sich schnell wieder gelegt“, erklärt der 64-jährige Deutsche.

In der zweiten Rallyehälfte wird Schünemann aber vermutlich wieder den altbewährten Partner an seiner Seite wissen. Aktuell sieht es so aus, als könne Matthias Kahle nach dem Ruhetag am Lake Manyara wieder das Steuer des 1973er Datsun übernehmen.

Dann wird Stig Blomqvist auch versuchen, seine Führung im Gesamtklassement zu verteidigen. Der Schwede führt die Rallye weiterhin vor seinem Landsmann Richard Göransson und dem Belgier Grégoire de Mévius (alle Porsche 911) an.

HS_RallyeTeam_Safari_Tag4_2_McKlein

So geht’s weiter: Tag 6, Lake Manyara – Arusha, Distanz: 347 km, in Wertung: 232 km

Nach der Pause am Lake Manyara geht es mit einer sehr schwierigen Etappe weiter. Die Route beinhaltet viele harte, steinige Pisten im Norden Tansanias. Hier sind Durchhaltevermögen und ein sensibler Gasfuß gefragt. Zum Abschluss sind Dr. Thomas M. Schünemann und seine Beifahrerkollegen gefordert, denn diese Prüfung beschreibt der Veranstalter als „Albtraum für Navigatoren“.

Was bisher geschah:

East African Safari Classic Rallye, Tag 1, 19. November 2015: Wasserspiele am Indischen Ozean

East African Safari Classic Rallye, Tag 2, 20. November 2015: Mit Vollgas in die Savanne

East African Safari Classic Rallye, Tag 3, 21. November 2015: Volles Safari-Programm im Kurzformat

Über das HS RallyeTeam
Das HS RallyeTeam zählt zu den erfolgreichsten werksunabhängigen Teams im Marathonrallyesport. Die Bilanz bei 17 Starts seit 2004: sieben Klassensiege, unter anderem bei der Dakar 2009 und 2011, und drei zweite Plätze. Bei der Rallye Dakar 2011 gelang dem HS RallyeTeam als erste Buggy-Mannschaft seit 2006 sogar der Sprung in die Top Ten der Gesamtwertung. Im Jahr 2015 versucht sich das Team in einer neuen Herausforderung: Die Mannschaft aus Hamburg wird in einem Datsun 260Z an der härtesten Klassik-Rallye der Welt, der East African Safari Classic Rallye, teilnehmen. Als Fahrer vertraut das HS RallyeTeam nach wie vor auf den siebenfachen Deutschen Rallyemeister Matthias Kahle (Köln). Neben ihm nimmt der erfahrene Copilot Dr. Thomas M. Schünemann (Hamburg) Platz, der nicht nur auf Rallyestrecken erfolgreich unterwegs ist, sondern auch als Gründer und Geschäftsführer der HS – Hamburger Software GmbH & Co. KG agiert und langjähriger Vizepräses der Handelskammer Hamburg war.