Geschichte und Geschichten rund um das Automobil in der Kurstadt Bad Homburg
Die Central-Garage führt durch mehrere Jahrzehnte.

Kaiser Wilhelm II. war bekanntlich ein Anhänger neuer Techniken, insbesondere auch die des Automobils. Und so hatte der Herrscher, wenn er mit der Eisenbahn zu seiner Sommerresidenz im Schloss Homburg vor der Höhe fuhr, stets mindestens zwei Automobile im kaiserlichen Gepäckwagen. Man vermutet, dass ein „Kaiserauto“ als eines der ersten Kraftfahrzeuge auf den Straßen der Kurstadt unterwegs war. Die neue, bis zum nächsten Sommer laufende Ausstellung im Bad Homburger Oldtimer-Museum Central-Garage berichtet davon, wie das Auto Bad Homburg eroberte. Doch so exemplarisch, wie viele Aspekte aufgearbeitet wurden, möchte man sagen: Wie das Auto Deutschland eroberte. Dargestellt werden nicht nur die „Kinderjahre“ in der Kaiserzeit, sondern auch die Jahre zwischen den beiden Weltkriegen sowie die 1950er und 1960er Jahre.

Prachtvolle Karossen symbolisieren die drei Zeitphasen, in die die Ausstellung „Mit dem Auto in die Kurstadt – eine Zeitreise durch die Bad Homburger Autogeschichte“ eingeteilt ist. Sie lassen das Herz eines jeden Oldtimer-Fans höher schlagen: von der Replik des Benz Patentmotorwagens von 1886, einem zehn Jahre älteren Benz Victoria, einem 1900 entstandenen Bergmann D II und einem Adler-„Reisewagen“ mit geschlossener Winterkarosserie (1906) über Mercedes-Exemplare aus den 1920er und 1930er Jahren bis hin zu einem Mercedes-Omnibus des Baujahrs 1958 und dem deutschen Luxus- und Diplomatenwagen der Nachkriegszeit schlechthin, dem Adenauer-Mercedes. Zu sehen ist weiterhin ein „Herkomer“-Benz von 1906, der aus dem schwedischen Königshaus stammt und mit dem Kaiser Wilhelm II. bei einem Staatsbesuch durch Stockholm gefahren wurde. Einen solchen Wagentyp fuhr auch Prinz Heinrich von Preußen bei seiner ersten Wettbewerbsfahrt, der Herkomer-Konkurrenz 1906.

Hier knüpft eine der vielen Geschichten an, die in der Ausstellung anhand von Fotos, Bildern und Archivalien erzählt werden, nämlich die der bis heute bestehenden Verbindung zwischen Bad Homburg und dem Automobilsport. In der Kurstadt nämlich fand mit dem Gordon-Bennett-Rennen 1904 der erste internationale Automobil-Wettbewerb auf deutschem Boden statt, gefolgt vom Kaiserpreisrennen und einer Prinz-Heinrich-Fahrt. Zwischen den beiden Weltkriegen fanden bald jährlich denkwürdige Autorennen statt, so dass man Bad Homburg damals sogar als „Automobilstadt“ bezeichnete. Bemerkenswert ist, dass sich in dieser Zeit zunehmend Frauen ihren Platz im Automobilsport erobern konnten.

Frauen als „Autler“, wie man Autofahrer in der Kaiserzeit nannte: Ein liebenswert eingerichtetes Kabinett zeigt u.a. plastisch, was Frau bei einer Autofahrt tragen sollte: dicke Wadenstrümpfe, einen Staubmantel und ein Kopftuch, das den unvermeidlichen Hut auch bei stärkstem Fahrtwind festhielt.

Weitere Themen sind etwa Schotter und Steine auf den Straßen, das Bad Homburger Kurleben, Ausflugsfahrten mit dem eleganten Aussichtswagen der Reichspost, die Reichsautobahn, die ab 1936 an Bad Homburg vorbeiführte, der Mercedes-Firmensitz in der Kurstadt, die Frankfurter Adler-Werke, die Reifenrunderneuerung in der Peters Pneu Renova oder die Spielbankbusse, die zwischen der „Mutter von Monte Carlo“ und Frankfurt verkehr(t)en.

Die Ausstellung „Mit dem Auto in die Kurstadt – eine Zeitreise durch Bad Homburger Autogeschichte“ läuft bis Sommer 2016.

Automobilmuseum Central-Garage Bad Homburg
Niederstedter Weg 5
Bad Homburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Sonntag 12 bis 16.30 Uhr
Eintritt frei, Spenden für einen sozialen Zweck sind willkommen.
www.central-garage.de

www.bad-homburg.de
www.bad-homburg-tourismus.de