“150 Jahre Opel” in der Central-Garage Bad Homburg

Ein Streifzug durch 150 Jahre Opel”

Adam Opel hielt nichts von Automobilen. „Stinkkarren für Reiche“ nannte er sie. 1862 gründete Adam Opel in Rüsselsheim ein Unternehmen und konzentrierte sich auf sein Metier – die Herstellung von Nähmaschinen. Von seinen fünf Söhnen, erfolgreichen Radrennfahrern, ließ er sich immerhin überzeugen, ab 1886 auch Fahrräder zu produzieren. Erst nach Adam Opels Tod 1895 wandten sich seine Witwe Sophie und die Söhne, die die Fabrik gemeinsam weiterführten, dem zukunftsträchtigen Bau von Automobilen zu.

Mit dem Opel-Patentmotorwagen System Lutzmann begann 1899 der Aufstieg der Opel-Werke zum zeitweise größten europäischen Automobilhersteller. Der 150-jährigen Geschichte der Adam Opel AG widmen die „Freunde der CENTRAL GARAGE e.V.“ in Bad Homburg die neue Ausstellung. Sie wird das ganze Jahr 2012 gezeigt, doch für Abwechslung ist gesorgt: Die Themenbereiche werden wechseln und mit immer wieder neuen Exponaten bestückt. Die Öffnungszeiten des Fahrzeug- und Technikmuseums am Niederstedter Weg 5 sind mittwochs bis sonntags von 12 bis 16.30 Uhr sowie nach Absprache (Tel. 06172-5976057).

Zum Auftakt entführt die CENTRAL GARAGE – sie befindet sich übrigens in der ehemaligen Bad Homburger Opel-Niederlassung! – auf einen Streifzug durch mehrere Jahrzehnte. Er beginnt mit dem legendären „Doktorwagen“, mit dem Opel 1909 der endgültige Durchbruch gelang. Der 4/8PS erhielt seinen Spitznamen, weil er besonders bei Landärzten beliebt war. Schließlich bot der „Doktorwagen“ ihnen bei den Hausbesuchen, die zumeist über schlechte Straßen führten „einfachsten Mechanismus“, „leichteste Handhabung“ und die Chance, ihn „ohne Chauffeur zu benutzen“.

Als Opel 1935 den nach den bevorstehenden Olympischen Spielen benannten Olympia präsentierte, war das Werk in Rüsselsheim schon längst mit Fließbändern ausgestattet (ab 1924) und wegen der Weltwirtschaftskrise an den US-Hersteller General Motors verkauft worden (1929). Wobei die Opel-Brüder allerdings die Geschicke im Aufsichtsrat und Fritz von Opel als Vorstandsvorsitzender weiter bestimmten. Bis dahin hatten die Rüsselsheimer bereits eine ganze Reihe neuer, größtenteils äußerst erfolgreicher Modelle vorgestellt und technischen Innovationssinn bewiesen. Der Olympia war das erste deutsche Großserienauto, das eine selbsttragende Karosserie komplett aus Stahlblech hatte. In der CENTRAL GARAGE zu sehen ist eine Olympia Cabrio-Limousine von 1950, denn nach dem 2. Weltkrieg war die Produktion eines überarbeiteten Vorkriegsmodells aufgenommen worden.

Aus den 30er Jahren stammt ein wahres Schätzchen: Ein, nein, der Opel Geländesportwagen Super 6 (1937), der als einziger von 15  Stück die Wirren des Krieges überlebte. Bis er entdeckt und restauriert wurde, diente der Wagen ab den 50er Jahren auf der Wasserkuppe in der Rhön als Seilrückholwagen der Segelflugschule. Imposante Massigkeit strahlt das 1938 gebaute, viertürige Werkscabrio des Admiral aus. Von 1937 bis zum Kriegsausbruch hatte Opel lediglich etwa 2300 dieser Cabrios gebaut. Auch der „Urgroßvater“ aller Kadetts ist in der CENTRAL GARAGE zu sehen: ein 1937er, der mit einem 23 PS starken 1,1 Liter-4-Zylinder-Motor ausgestattet ist. Seine Produktionsanlagen wurden nach dem Krieg als Reparationsleistung nach Russland gebracht. Dort entstand mit ihnen von 1947 bis 1954 der Moskwitsch. In Deutschland lebte der Kadett ab 1962 im gerade neu eröffneten Werk Bochum als Kadett A wieder auf. Aus dieser langen Baureihe wird außerdem ein Kadett 1100 von 1971 gezeigt, der für verbesserte Sicherheitsvorkehrungen und technische Neuerungen steht, z.B. Sicherheitslenksäule, Zweikreisbremsanlage und Bremskraftverstärker.

Die 60er und 70er Jahre brachten eine weitere Blütezeit. Opel war nach VW der zweitgrößte deutsche Autohersteller und in einigen Klassen sogar Marktführer. Gerne erinnert man sich auch an den Mittelklasse-Wagen Rekord, der in der Ausstellung als zweifarbige Variante P1 (1960) steht. Das B-Modell von 1965 befindet sich im Originalzustand und in der inzwischen 4. Generation im Familienbesitz. Was aber wäre eine Opel-Schau ohne die Kultautos! Mit dem Slogan „Nur fliegen ist schöner“ warben die Rüsselsheimer für den schnittigen Sportwagen GT mit seinen „Schlafaugen“, den Klappscheinwerfern. Das gelbe Exponat in der CENTRAL GARAGE wurde 1969 gebaut und brachte immerhin 155 km/h auf die Straße.

Und dann erst der Manta, hier ein orginalgetreuer von 1972! Ungemein sportlich sah das Coupé aus, brachte aber nicht ganz die Leistung, weshalb er oft getunt, verspoilert, tiefer gelegt und aufgemotzt wurde. So geriet der typische Manta-Fahrer zum Spottobjekt: Mit dem Fuchsschwanz an der Antenne und einer blonden Friseuse (durfte man damals noch sagen) auf dem Beifahrersitz lässt Manni Manta beim Fahren lässig den Ellenbogen aus dem geöffneten Seitenfenster ragen.

Natürlich war Opel auch stark im Motorsport vertreten. Immerhin steuerte schon Carl Jörns beim Kaiserpreis-Rennen 1907, das von Bad Homburg aus im Taunus ausgetragen wurde, einen Opel-Spezialwagen als bestes deutsches Auto über die Ziellinie. Walter Röhrl erreichte 1982 mit einem Ascona 400 Rallye-Weltmeister-Meriten und ein eben solches 250 PS starkes Fahrzeug hat das CENTRAL GARAGEN-Team „an Land gezogen“. Diesen Wagen kaufte der Besitzer total zerlegt und in Kartons verpackt in der Schweiz. Eineinhalb Jahre brauchte er für Wiederaufbau und Aufarbeitung. In der abgedunkelten „Boxengasse“ des Museums – neben Peter Herbolds Geschäft „homburgmodell“ – stehen schön ins Licht gerückt zwei DTM-Boliden: ein Omega 3000, ein Trainingsauto mit 360 PS, sowie ein Calibra V6, den Manuel Reuter als DTM-Werkspilot ab 1993 maßgeblich mitentwickelte.

Opel baute in den vielen Jahrzehnten nicht nur innovative, technisch ausgereifte und zuverlässige Personenwagen, die zudem noch bezahlbar waren, sondern auch Nutzfahrzeuge. Z.B. den berühmten „Blitz“, mit dem Opel vor dem 2. Weltkrieg Deutschlands größter Lkw-Produzent wurde. Als Beispiel stellt das Museum einen zu einem Feuerwehrwagen umgebauten 1,5-Tonner von 1939 vor. Das Fahrzeug wurde vom Reichsluftfahrt-Ministerium in Frankfurt am Main eingesetzt, dann bei der Feuerwehr Bad Vilbel-Gronau und es tat sogar noch von 1976 bis 1989 bei der Werksfeuerwehr von Medidenta Schramm & Co. in Oberursel seine Dienste.

Ebenso kommt die frühe Produktion von Fahrrädern (1886 bis 1937) und Motorrädern (1901 bis 1930) in der Ausstellung zu ihrem Recht, u.a. mit einer 1922 speziell für schnelle Zementbahnen gebauten Bahnrennmaschine, von der es nur zwei Exemplare gab. Und auch Opel-Kühlschränke können bewundert werden. Wer es sich im Wirtschaftswunder leisten konnte, kaufte sich einen „Frigidaire“. 1959 gab Opel die Fertigung dieser Haushaltsgeräte wieder auf.

Weitere Elemente, die interessante Einblicke in die Opel-Geschichte geben, sind eine von der Adam Opel AG gestaltete Ausstellung „Fotos des Augenblicks – Momentaufnahmen 1927-1939“ mit Bildern von Dr. Paul Wolff, eine Bilderwand mit mehr als zwei Dutzend unterschiedlicher Opel-Logos sowie digitale Foto-Frames mit Bilderabfolgen oder Videos zu den einzelnen Objekten.

Der Eintritt zu der Ausstellung „150 Jahre Opel“ ist frei. Aber wie gewohnt bittet die CENTRAL GARAGE um Spenden, für die in der Nähe des Eingangs eine Spendenbox bereitsteht. Das Geld kommt einem sozialen Zweck zugute.

 

Ausstellung „150 Jahre Opel“

bis Ende des Jahres 2012

Automobilmuseum CENTRAL GARAGE Bad Homburg

Niederstedter Weg 5, 61348 Bad Homburg

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 12 bis 16.30 Uhr

Telefon: 06172-5976057

Internet: www.central-garage.de

Email : info@central-garage.de

 

Quelle: Central-Garage Bad Homburg

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Hab ich das richtig gelesen? Da kokketiert der Autor mit dem Stereotyp des Friseusen kutschierenden Mannis mit Fuchsschwanz an der Antenne? Das hätte sich der Max mal trauen sollen ;-)
    …und hieß das Ding wirklich Frigid Aire? Das klingt ja reichlich unterkühlt…bestimmt ne gute Alternative für die Hausfrau von damals ohne Kopfschmerzen!

  2. Tja, keine Manta-Ausstellung ohne das Aufwärmen der ollen Klischees. Das war auch der wahre Grund für den Verkauf des GT/E… ich hab den seelischen Druck nicht mehr ausgehalten! *sniff*

    Und ja, die Kühlschränke hießen wirklich Frigidaire. So einen hätte ich schon länger gerne zum stilechten Gebrauch. Aber wenn da der Kompressor anspringt, muss das Staudinger glaub ich nen Block zuschalten… ;-)

  3. Genau! Nie darf ich hier ungestraft meine Meinung sagen!

    Der Calibra, der Omega und vorallem der 400er locken mich bestimmt in den nächsten Tagen dorthin.

    Torsten, hast Du von dem schweizer 400er schon irgendwo was mitbekommen??

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